1. Dezember 2017

Das erste Mal

Sensibles Thema, ich weiß schon! Aber man muss es ja mal ansprechen. Irgendwann muss es passieren – der erste Kontakt des eigenen Startups oder des neuen Produkts mit der Öffentlichkeit. Schließlich muss ja irgendwann auch mal was verkauft werden. Wann aber ist der richtige Zeitpunkt, sich mit dem eigenen – neuen – Angebot aus der Deckung zu wagen?

Vision versus Erwartung

Wir haben in den letzten elf Monaten mehrere Startups dabei beraten, ihre Markengeschichte zu entwickeln und eine Erzählstrategie auszuarbeiten. Eine zentrale Frage in diesem Prozess ist für uns immer: Was könnt Ihr besser als andere? Und wann könnt Ihr das, um Euch wirklich von ähnlichen Angeboten abzugrenzen?

Wann also kommt man mit seiner Idee groß raus? Hier besteht manchmal eine gewisse Beratungsresistenz. Einige sind nämlich viel zu früh dran und verschießen dadurch schlagkräftiges Pulver!

Denn sie stürzen sich gnaden- und kompromisslos auf die Idee des Minimal Viable Product (MVP). Spätestens seit Eric Riess hat dieses Konzept fast jeden Business Plan eines Startups erobert. Mathematisch würde man das MVP wohl als kleinsten gemeinsamen Nenner bezeichnen – nämlich zwischen den Visionen und Ideen der Gründer und den Erwartungen der frühen Nutzer.

Der Moment entscheidet

Aus Kommunikationssicht ist es ganz entscheidend, den richtigen Moment abzuwarten, bis das Produkt den MVP-Status wirklich erreicht hat. Denn die zentrale Frage ist: Ab wann kann sich der Zielnutzer auch wirklich ein verlässliches Urteil über das angestrebte Produkt bilden? Wann ist es wirklich nützlich für mich?

Ein wichtiges Merkmal eines MVP ist, dass mindestens ein klar erkennbares Alleinstellungsmerkmal gegenüber ähnlichen Produkten vorhanden und nutzbar ist. Wir haben in den letzten Monaten immer wieder feststellen müssen, dass dieser USP oft einem schnellen Markteintritt geopfert wird. Manches Unternehmen hat die Abgrenzung zum Wettbewerb mit unserer Hilfe theoretisch herausgearbeitet, aber noch nicht im Produkt selbst umgesetzt. Es fehlt bisweilen der lange Atem, das Kernprodukt bis zu dieser – sich vom Wettbewerb unterscheidenden – Reife zu entwickeln.

Nutzer sind erbarmungslos

Der eigene Ehrgeiz oder der Druck der Investoren zwingen zu einem zu frühen Auftritt in der Öffentlichkeit. Auch wenn Versuchsfelder nur regional begrenzt sind – das Feedback der Nutzer ist erbarmungs- und grenzenlos!

Es gibt also einen deutlichen Unterschied zwischen Produkt-MVP und Storytelling-MVP. Eine erfolgreiche Markengeschichte braucht deshalb neben dem spannenden und relevanten Inhalt auch ein sehr gutes Timing, ab wann sie erzählt wird. Wir schauen uns gerne spannende Geschäftsideen an und beraten genau zu solchen Fragen.

 

Bildquelle: Baby bird sittiing on edge of the nest and trying to fly (382404613) | © Mike Laptev – Shutterstock.com

 

Know-how , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Markus Hermsen
About Markus Hermsen
Aus Leidenschaft für Kommunikation berät Markus seit 1998 Unternehmen aller Größen und Branchen in Sachen Marketing, PR und Digitales. Themen wie Positionierung, Change und das Erzählen relevanter und spannender Markengeschichten nehmen einen großen Teil seiner Arbeit ein. Die Faszination für alles Technische zeigt sich auch im Privaten: Markus beschäftigt sich mit der Fliegerei, mag alte und neue Autos und Gadgets aller Art. Am höchsten im Kurs stehen seine vier Kinder, von denen er täglich viel über Kommunikation lernt.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.